Über meine abonnierten RSS-Feeds bin ich wieder auf einen sehr interessanten Artikel gestoßen. Es geht um ein Interview, das der ORF mit dem österreichischen Richter Franz Schmidbauer geführt hat. Schmidbauer, der neben seiner Richtertätigkeit in Salzburg auch Betreiber der Webseite Internet4Jurists ist, äußert sich in dem Interview kritisch zu Einschnitten in der Grundrechten der Konsumenten und sieht in einigen Initiativen wie der Sperrung des Internetzugangs bei wiederholten Urheberrechtsverletzungen eine nicht zu unterschätzende Gefahr für die Demokratie.
Anlass des Interviews war der viel beachtete Prozess gegen die Betreiber des Torrent-Trackers – und Suchmaschine Pirate Bay, in dessen Zusammenhang ich bereits einen Artikel der Netzwertig-Blogger über die Spiegel Online Berichterstattung verlinkt hatte. Schmidbauer geht darin darauf ein, dass man Downloads nicht mit verpassten CD-Verkäufen gleichsetzen darf und verweist darauf, dass Musik schon immer kopiert wurde, beispielsweise durch CD-Brenner oder noch früher durch Mitschnitte aus dem Radio auf Kassette.
“Was den Schaden an sich betrifft, ist es wichtig, darauf hinzuweisen, dass Inhalte immer schon kopiert wurden. Musik wurde auch früher nicht nur gekauft, sondern vor allem auf Kassetten aufgenommen oder auf CDs gebrannt. [...]
Ich habe in meinem Aufsatz versucht, die möglichen Gründe für den Rückgang umfassend darzustellen und auch die positiven Seiten der Tauschbörsen aufzuzeigen. Da wird dann sehr schnell deutlich, dass die Gleichung “Download ist gleich entgangener CD-Verkauf” blanker Nonsens ist und nicht einmal ansatzweise stimmt.”
Des Weiteren erläutert Schmidbauer, dass das Kopieren von Musik kein Diebstahl ist, da nichts weggenommen wird. Es findet lediglich eine Vervielfältigung statt und ein Diebstahl sei laut Strafgesetz “die Wegnahme einer beweglichen Sache, mit dem Vorsatz, sich zu bereichern.” Diebstahl geistigen Eigentums und andere Schlagworte seien von der Musik- und Unterhaltungsindustrie eingeführte Propagandabegriffe.
Schlussendlich geht er auf die Konsumentenunfreundlichkeit der Medienunternehmen ein, die beispielsweise durch Kopierschutzmechnismen wie den HDCP-Kopierschutz das Abspielen von Blu-ray Discs auf dem PC unnötig erschweren, auch wenn es sich lediglich um das Abspielen und nichtmal um das Kopieren handelt – wobei das Erstellen einer Sicherheitkopie für den privaten Gebrauch sogar legal wäre. Darüber hinaus würde es nichts bringen, den Konsumenten durch nicht-überspringbare Urheberrechtshinweise auf DVDs und Drohungen einzuschüchtern, sondern man müsse den Konsumenten wieder als Kunden betrachten.
Auf Netzwertig setzt sich Marcel Weiss nochmal weitergehend mit den im Interview geäußerten Gedanken auseinander.





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