Scroll-Edition der Weltkompatk und “Beschimpfungen aller Art” – ein Kommentar

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Den nachfolgenden Kommentar habe ich als Statement im Blog von Frank Schmiechen, stellvertretender Chefredakteur der WELT, auf den Artikel “Beschimpfungen aller Art” abgegeben. Aufgrund der Länge, und in der Hoffnung, auch fernab von der teils recht hitzigen Debatte ein bißchen darüber zu sprechen, habe ich mich entschlossen, mein Statement auch hier noch einmal zu veröffentlichen.

“Einleitend möchte ich sagen, dass ich mich weder als aktiver Blogger noch als Journalist verstehe, und die Thematik ein klein wenig von außen zu betrachten versuche.

Die von Sascha Pallenberg im ersten Kommentar zitierte Aussage „Heute erscheint WELT KOMPAKT wieder in bewährter Form. Die meisten von Ihnen werden erleichtert sein. Wir sind es auch.“ ist unglücklich. Ich habe vorhin im anderen Artikel “Scroll-Groll” gelesen, es sei ein kurzes Statement gewesen, das eilig herunter getippt wurde. Entschuldigung, aber solch eine “Ausrede möchte ich ungern gelten lassen. Gerade eine angeblich mangelnde Sorgfalt vor dem Publizieren ist doch immer das Todschlagargument, welches die Blogger von den selbst betitelten “Qualitätsjournalisten” unterscheiden soll. Dann erwarte ich von jemandem, der sich selbst ja offensichtlich eher dem Qualitätsjournalismus zuordnet eben jene Sorgfalt. Und wenn es nur ein kurzes Statement ist. Nicht umsonst heißt es doch so oft, der Stift sei mächtiger als das Schwert.

Ebenso finde ich es traurig, wie beinahe schmollend geschrieben wird, dass doch niemand die Scroll-Edition dafür lobe, dass die Idee so mutig und innovativ sei. Nun, ich finde die Idee auch mutig. Es ist eine (bei mir) willkommene Geste, eine dargereichte Hand. Das ein erstes Aufeinandertreffen der Blogosphäre mit ihrem “Endgegner” Springer nicht Friede, Freude und Sonnenschein überall hervorruft sollte doch jedem vorher klar gewesen sein, der sich ein klein bißchen damit auseinander gesetzt hat, oder? Recherche anyone? Seitens der Printvertreter war sicherlich die Ansprache nicht immer glücklich und auch die Rahmenbedingungen ließen teilweise zu wünschen übrig, und als Außenstehender verlor ich vor lauter Hin und Her in Blogs über Bezahlung oder doch nicht total den Überblick. Transparenz von vornherein wäre hier wünschenswert gewesen. Aber dies nur so als Rat für eine – ja ich wage es das zu sagen – Fortsetzung.

Was ich von der Scrolledition persönlich mitgenommen habe, war, dass Blogger sich mit Layouts scheinbar nicht so gut auskennen – Abstände und Zeilenbreiten etc. – und für viele der Springer-Verlag ein größeres Reizthema ist als für so manchen Bullen auf Steroiden ein rotes Tuch. Was ich persönlich schade finde. Ich stimme weiß Gott nicht allzu oft mit Kommentaren und Meinungen überein, die der Verlag veröffentlicht, aber das kommt mindestens genauso oft in Blogs vor. Und ich empfinde beides eher anstoßend zum Denken, als abstoßend zum Übergeben. Aber das scheint eine nicht allzu weit verbreitete Auffassung zu sein.

Im Übrigen möchte ich noch kurz darauf hinweisen, wie oft im Rahmen dieser Diskussion ein “Fehler” gemacht wird, den wir alle immer aufs bitterste im Rahmen der Zensursula-Debatte vorgeworfen habe: Alle sprechen von “der Blogosphäre” und “den Digital Natives” und der “digitalen Avantgarde” als wäre es eine homogene Gruppe. Genauso, wie es im Streit um Netzzensur immer mit “die Internetgemeinde” geschah. Merkt ihr selber, oder? Hab ich sogar selber im Kommentar geschrieben, darum werfe ich jetzt nicht den ersten Stein.”

Ich weiß, dass ich sage, ich sei kein Blogger, und dennoch veröffentliche ich dies auf diesem – meinem – Blog. Erklärend möchte ich anmerken, dass ich mich nie als derart aktiver Teil einer “Blogosphäre” – da, es passiert mir schon wieder – gesehen habe. Was mich interessiert, begeistert, fasziniert oder irgendwie bewegt hat, habe ich oft geteilt, kommentiert, oder eben selbst hier veröffentlicht. Einige Themen, weil sie mich persönlich berühren, andere, weil man an ihnen nicht vorbei kam, und wieder andere, weil mir die Diskussion zu diesem Thema betroffen hat, wie in diesem Fall. Denn die Scroll-Edition war für mich weder das große Highlight, noch der totale Reinfall. Es war ein Experiment, mit gemischt zu betrachtendem Resultat. So einfach. Für mich zumindest.

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